WISSEN FÜR EINSTEIGER
Die wichtigsten Grundlagen für dein erstes Riffaquarium – in normaler Sprache, ohne Fachchinesisch. Alles hier kommt aus der Praxis einer Anlage, die seit Jahren läuft.
Wenn du nur eine Sache von dieser Seite mitnimmst, dann diese.
Anfänger jagen Zahlen. Sie messen einen Wert, der leicht daneben liegt, korrigieren kräftig, messen am nächsten Tag wieder, korrigieren zurück – und wundern sich, warum die Korallen schlecht aussehen. Nicht der Wert war das Problem, sondern das Hin und Her.
Korallen vertragen einen leicht suboptimalen Wert deutlich besser als einen schwankenden. Ein Becken, das konstant bei 7,9 dKH liegt, läuft besser als eines, das täglich zwischen 7 und 9 pendelt – obwohl beide Werte im Zielbereich liegen.
Kleine Mengen dosieren statt großer Sprünge. Einen Wert nach dem anderen anfassen, nie mehrere gleichzeitig. Nach einer Änderung abwarten und beobachten, bevor du weiter korrigierst.
Sechs Werte reichen für den Anfang. Alles andere kommt später.
| Wert | Zielbereich | Wofür er zuständig ist |
|---|---|---|
| Salinität | 34–36 ‰ ideal 35 ‰ / 1,0264 SG | Der Salzgehalt. Beeinflusst alle anderen Werte mit. |
| KH | 7,5–8,5 dKH | Karbonathärte, der Puffer. Hält den pH-Wert stabil. |
| Calcium | 420–440 mg/l | Baustoff für Korallenskelette. |
| Magnesium | 1300–1350 mg/l | Hält Calcium und KH im Gleichgewicht. |
| Nitrat (NO₃) | 5–10 mg/l | Nährstoff. Zu wenig lässt Korallen ausblassen. |
| Phosphat (PO₄) | 0,05–0,1 mg/l | Nährstoff. Zu viel füttert Algen. |
Nitrat und Phosphat sind keine Gifte, die auf null gehören. Ein Becken mit Nullwerten ist ein hungerndes Becken – die Korallen verlieren Farbe und wachsen nicht mehr. Gebraucht wird ein niedriges, aber messbares Niveau.
Die Tabelle oben passt für ein gemischtes Becken. SPS mögen es nährstoffärmer (Nitrat eher 0,5–5 mg/l, Phosphat 0,02–0,05 mg/l), LPS und Weichkorallen vertragen etwas mehr (Nitrat 1–10 mg/l). Wer alles zusammen hält, fährt mit den Werten der Tabelle gut.
Nicht sofort gegensteuern. Erst ein zweites Mal messen, um einen Messfehler auszuschließen – Tröpfchentests sind störanfällig. Stimmt die Abweichung, in kleinen Schritten korrigieren: bei KH höchstens ein Grad pro Tag, bei Nitrat ein bis zwei Milligramm pro Woche.
Und die wichtigste Frage zuerst: Warum ist der Wert abgewandert? Wer nur nachdosiert, behandelt das Symptom und hat das Problem in zwei Wochen wieder.
Die ersten Wochen entscheiden, wie viel Ärger du später hast.
Trockenes, abgebautes Riffgestein reicht vollkommen. Es ist frei von Algen, Schädlingen und unerwünschten Mitbewohnern, die man später nur schwer wieder loswird. Lebendgestein direkt aus dem Meer bringt diese Fracht mit, zerstört natürliche Riffe und ist in vielen Fällen rechtlich problematisch.
Sie sind robust, verzeihen Anfängerfehler und bringen Biologie ins Becken. Sie fördern die nützlichen Bakterien, auf denen später alles aufbaut. SPS und anspruchsvolle LPS kommen erst, wenn das System läuft.
Acht bis zehn Stunden täglich. Mehr bringt nicht mehr Wachstum, sondern mehr Algen. Eine feste Zeitschaltung ist wichtiger als teure Technik.
Stark und wechselnd. Details weiter unten.
Viele erfolgreiche Riffaquarien laufen komplett ohne Sand. Er sieht natürlich aus, sammelt aber Schmutz und macht die Pflege aufwendiger. Wer sich unsicher ist, lässt ihn zunächst weg.
Die Wasseroberfläche muss sich sichtbar bewegen. Nur so kommt Sauerstoff hinein und CO₂ hinaus. Eine spiegelglatte Oberfläche ist einer der häufigsten Gründe für einen instabilen pH-Wert.
Wie du die Steine setzt, entscheidet über Strömung, Pflegeaufwand und Platz zum Wachsen.
Der häufigste Anfängerfehler ist ein massiver Steinhaufen an der Rückwand. Dahinter steht das Wasser, Schmutz sammelt sich, und es entstehen tote Zonen, aus denen später Probleme kommen.
Oben – viel Licht, starke Strömung: SPS wie Acropora, Montipora, Seriatopora, Stylophora.
Mitte – mittleres Licht, mittlere Strömung: LPS wie Euphyllia, Caulastrea, Favites, Trachyphyllia.
Unten – wenig Licht, sanfte Strömung: Weichkorallen und lichttolerante LPS wie Zoanthus, Discosoma, Sinularia, Lobophyllia.
Das Becken sieht am Anfang leer aus – das ist richtig so. Korallen wachsen, und zwar schneller als die meisten erwarten. Wer von Beginn an jeden Quadratzentimeter belegt, sortiert in einem Jahr aus.
Die unsichtbare Lebensader. Und der Punkt, an dem am meisten falsch gemacht wird.
Strömung bringt Nährstoffe an die Korallen, transportiert Abfallstoffe ab und verhindert, dass sich Schmutz in Ecken sammelt. Ohne sie nützen auch perfekte Wasserwerte wenig.
Das Wasser soll an der Oberfläche in eine Richtung laufen und am Boden zurückgeführt werden, sodass das ganze Becken in Bewegung bleibt. Als Orientierung gilt das Zwanzig- bis Vierzigfache des Beckenvolumens pro Stunde, abhängig vom Besatz.
Die beste Strömung ist die, die man nicht direkt spürt – aber die Korallen lieben. Wenn Sand aufgewirbelt wird oder Polypen flach anliegen, ist es zu viel an dieser Stelle.
Drei Gruppen, drei Schwierigkeitsgrade. Womit du anfängst, entscheidet über deine ersten Monate.
Die Einteilung klingt technisch, ist aber praktisch gemeint: Sie sagt dir, wie viel Licht, Strömung und Stabilität eine Koralle braucht – und wie viel Nachsicht sie mit Anfängerfehlern hat.
| Gruppe | Licht | Strömung | Für wen |
|---|---|---|---|
| Weichkorallen | wenig bis mittel | schwach bis mittel | Einsteiger – der richtige Start |
| LPS | mittel | mäßig, indirekt | Einsteiger und Fortgeschrittene |
| SPS | sehr hoch | stark und turbulent | wenn das Becken stabil läuft |
Sie haben kein hartes Skelett, sind flexibel und bewegen sich sichtbar in der Strömung. Genau deshalb sind sie die beste Wahl für den Anfang: Sie verzeihen Schwankungen, brauchen wenig Licht und wachsen zügig.
Typische Vertreter: Lederkorallen, Sinularia, Xenien, Keniabäume, Röhrenkorallen und Grüne Sternpolypen.
LPS steht für „Large Polyp Stony Corals". Sie haben ein hartes Kalkskelett und große, fleischige Polypen, die sich vor allem nachts voll entfalten. Robust, farbenfroh und auffällig in Bewegung – für viele die schönste Gruppe im Becken.
Typische Vertreter: Euphyllia (Hammer-, Frosch- und Torchkorallen), Caulastrea, Acanthastrea, Blastomussa, Trachyphyllia.
Die Königsklasse. SPS bilden verzweigte oder plattenartige Strukturen mit winzigen Polypen, oft unter einem Millimeter. Sie sind die farbintensivsten und wuchsstärksten Korallen im Riffaquarium – und die empfindlichsten.
Typische Vertreter: Acropora, Montipora, Pocillopora, Seriatopora, Stylophora.
SPS gehören in ein Becken, das bereits stabil läuft. Wer sie in ein frisch eingefahrenes Aquarium setzt, verliert sie meist – nicht wegen mangelnder Pflege, sondern weil das System die nötige Konstanz noch nicht hat.
Keine Korallen, aber nah verwandt und ein Blickfang – besonders in Symbiose mit Clownfischen. Anemonen wandern allerdings durchs Becken, bis sie einen Platz gefunden haben, und können dabei Korallen vernesseln oder in Pumpen geraten.
In Andis Anlage finden sich unter anderem Kupferanemone (Entacmaea quadricolor), Sandanemone und Rote Scheibenanemone. Auch Scheibenanemonen (Discosoma) gehören hierher – sie werden oft zu den Weichkorallen gezählt, sind aber keine.
Bevor eine Anemone einzieht, sollten Strömungspumpen abgedeckt sein. Das ist die häufigste Verlustursache – und leicht zu verhindern.
Die Liste zeigt den Bestand aus Hauptbecken und Ablegeranlage – von Acropora und Montipora über Euphyllia und Alveopora bis zu Zoanthus, Briareum und den Anemonen. Sie ändert sich laufend, gilt also als Momentaufnahme.
Frag einfach nach, ob davon gerade ein Ableger abgabefertig ist.
Andi per WhatsApp fragen →Zwei Kreisläufe laufen parallel. Wer sie versteht, versteht die meisten Probleme.
Fische und Korallen produzieren Abfall, dazu kommt unverbrauchtes Futter. Daraus entsteht Ammoniak, das für alle Bewohner hochgiftig ist. Bakterien wandeln es zu Nitrit um – ebenfalls giftig – und weiter zu Nitrat, das in kleinen Mengen sogar nützlich ist. Überschüssiges Nitrat verlässt das Becken über Wasserwechsel und Algen.
Genau dieser Bakterienaufbau ist der Grund, warum ein neues Becken Zeit braucht. Man kann ihn nicht überspringen.
Korallen verbrauchen beim Wachsen KH, Calcium, Magnesium und Spurenelemente. Diese Elemente werden nicht recycelt – sie müssen nachgeliefert werden, über Wasserwechsel oder gezielte Dosierung. Je mehr das Becken wächst, desto mehr verbraucht es.
Temperatur 24–26 °C, pH-Wert 8,1–8,4, Ammoniak und Nitrit im laufenden Becken bei 0 mg/l. Wasserwechsel etwa 5–15 % alle ein bis zwei Wochen.
Schreib Andi direkt. Eine konkrete Frage zu deinem Becken ist ihm lieber als gar keine – und du bekommst eine Antwort aus der Praxis statt fünfzig Meinungen aus dem Forum.
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